Unser neues "nussfreies" Leben: die Umstellung zu Hause.

Heute möchte ich über die Umstellung auf unser nussfreies Leben zu Hause berichten. Als wir die Diagnose „Nussallergie“ erhielten dachte ich mir: „Zum Glück! Nüsse mag ich eh nicht! Das wird kein Problem.“ Tja, so ganz stimmte das nicht aber tatsächlich ging es einfacher, als gedacht. 

 

 

Bevor ich damit begann, den Haushalt komplett umzustrukturieren, überlegte ich, was ich wollte. Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder ALLE Lebensmittel, die in der Zutatenliste oder als Warnhinweis den Allergieauslöser enthalten, werden aussortiert oder man schafft sich zwei parallele Vorratshaltungen. Eine mit und die Andere ohne den Allergieauslöser. Ich entschied mich aus den folgenden Gründen für die erste Variante. Unsere Tochter war bei der Diagnose drei Jahre alt, die Kleine eineinhalb. Zumindest das Thema „Essen“ wurde bei uns gerade so schön entspannt: alle aßen das Gleiche zusammen am Familientisch. Außerdem hat unsere Tochter erkannt, dass sie sich auch selber am Kühlschrank etc. bedienen kann, wenn sie Hunger hat und hatte an dieser neu gewonnenen Freiheit großen Spaß. Daher wollte ich alle Allergieauslöser in unserem Haushalt vermeiden. Die Allergie soll zu Hause nicht ihren Alltag bestimmen, hier soll sie ein ganz normales Leben führen. Für alle, die sich für die zweite Variante entscheiden: auf deren Umsetzung gehe ich am Ende kurz ein.

 

Wie ging ich also vor:

Ich las JEDE Zutatenliste von ALLEN Lebensmitteln, die wir zu Hause hatten. Durch die „Lebensmittel-Informationsverordnung“ müssen die 14 Hauptauslöser für Allergien und Unverträglichkeiten farbig oder fett gedruckt gekennzeichnet werden, wenn sie als Zutat in einem Lebensmittel enthalten sind. Die Lebensmittel, die Schalenfrüchte in der Zutatenliste enthielten bzw. der Warnhinweis „Kann Spuren von Schalenfrüchten enthalten“ aufgedruckt war, wurden aussortiert und verschenkt. Dann wurden nussfreie Alternativen gesucht. 

 

 

 

 

Bei den Grundnahrungsmitteln war das kein Problem: es sind zwar tatsächlich vereinzelt Nudeln, Reis, Mehl, Linsen, Couscous, Quinoa, Hirse etc. mit dem Warnhinweis „Kann Spuren von Schalenfrüchten enthalten“ zu finden aber es gibt sie auch ohne. Hier empfehle ich wirklich, in einen normalen Supermarkt zu gehen und sich im Sortiment umzusehen. Es müssen nicht unbedingt immer die teuren Produkte sein!

 

Die Ausnahme bei den Grundnahrungsmitteln sind Joghurts mit Geschmack. Milch und Joghurts ohne Geschmack sind kein Problem. Da ich persönlich kein Fan von Fruchtjoghurt bin, kaufe ich Naturjoghurt. Den verfeinere ich selber mit Honig, Obst, Obstpüree oder auch Marmelade, je nachdem, was sich die beiden Damen wünschen. Die meisten Joghurthersteller bieten aber auch eine Variante mit Haselnuss an. Haselnussallergiker müssen hier natürlich aufpassen. Manche Hersteller drucken Warnhinweise auf den Joghurt, andere nicht. Ich habe jedoch einen Hersteller gefunden, der auf seiner Linie mit Joghurt den Warnhinweis „Kann Spuren von glutenhaltigem Getreide, Mandeln, Haselnüssen und Walnüssen enthalten“. Diese Joghurts würde ich meiden. Bei einer anderen Linie des selben Herstellers von „Joghurts mit feinem Fruchtpüree“ gibt es keine Variante mit Haselnüssen und der Warnhinweis lautet: „Kann Spuren von glutenhaltigem Getreide und Ei enthalten“. Den Joghurt kann man auch als Nussallergiker essen. Wenn man sucht, findet man sicherlich mehr solcher Beispiele.

 

Problematischer war es bei Brot und Backwaren vom Bäcker und Kuchen. Brot und Backwaren kaufte ich bisher bei einem bestimmten Bäcker. Dieser bietet auch eine Reihe an Nussbroten an. Hier besteht nicht nur die Gefahr einer Kontamination bei der Herstellung, sondern auch beim Transport und bei der Lagerung: unser Roggenbrot liegt neben dem Nussbrot und die Semmeln neben den Walnussbrötchen. Das war mir zu unsicher! Wir testeten eine Reihe abgepackter Brote aus dem Supermarkt, die keinen Warnhinweis für Schalenfrüchte enthielten. Diese trafen jedoch nicht ganz unseren Geschmack und ich entschied mich dann dafür, Brot erst einmal selber zu backen. Noch war ich in Elternzeit und hatte Zeit… Brot backen hörte sich für mich bis dahin immer ganz fürchterlich aufwändig und zeitintensiv an. Es gibt jedoch viele sehr gute Rezepte, die ganz schnell gehen! Nach einer Weile und ein wenig suchen haben wir aber auch einen Bäcker gefunden, der keine Nussbrote im Sortiment hat. Hier kaufe ich einen Vorrat und friere das Brot ein. So bin ich nicht immer auf das selber Backen angewiesen. Kuchen und Teilchen kaufe ich gar nicht mehr, sondern backe sie selber. Gerne werde ich in der nächsten Zeit unsere liebsten Rezepte hier veröffentlichen.

 

 

Dann noch das Thema Süßigkeiten: natürlich möchten Kinder Süßigkeiten und der normale Umgang mit Süßigkeiten ist uns wichtig. Wir handhaben es so, dass die Kinder sich einmal am Tag etwas Süßes aus einer Dose aussuchen dürfen. Meist haben sie die Auswahl zwischen kleinen Tüten Gummibärchen, Lollis oder Schokolade. Gummibärchen und Lollis sind kein Problem. Bei der Schokolade musste ich eine Weile suchen und ein wenig recherchieren aber ich habe für uns Kinderschokolade Riegel und explizit als nussfrei ausgewiesene Schokolade im Internet gefunden. Aber hierüber werde ich einen eigenen Blogartikel schreiben.

 

Die Umstellung kostete natürlich Zeit aber es funktioniert. Nach 2 Jahren in einem nussfreien Haushalt kann ich wirklich sagen, dass sich der Aufwand lohnt! Unsere Familie lebt zu Hause ohne Verbote, Ängste oder Einschränkungen und dies hat uns den Umgang mit der Allergie deutlich erleichtert. Ich empfehle, nach der Diagnose „Nahrungsmittelallergie“ sich wirklich ausführlich mit dem Thema zu beschäftigen. Genau zu überlegen: was ist in unserem individuellen Fall die beste Möglichkeit? Vermeide ich die allergieauslösenden Lebensmittel zu Hause komplett oder arbeite ich mit einer parallelen Vorratshaltung. Wenn man sich zusätzlich genau mit dem Thema „Kennzeichnung“ beschäftigt und mit den Allergen freien bzw. den Ersatzprodukten, ist ein weitgehend normales Leben zu Hause wirklich möglich. Wer sich bei der Umstellung unsicher ist, kann sich immer die Hilfe einer Ernährungsfachkraft suchen. Meist wird in diesem Fall sogar ein Teil der Beratungskosten von der Krankenkasse übernommen. Die Zeit und das Geld, das man bei einer fundierten und zum Teil aufwändigen Umstellung investiert bekommt man wirklich als Lebensqualität zurück! Nur die Zutatenlisten muss man tatsächlich immer lesen- auch wenn man das Lebensmittel nun bereits eine Weile kauft. Zutaten oder Herstellungsbedingungen ändern sich ab und zu und schön könnten Allergieauslöser enthalten sein.

 

Nun wie bereits angekündigt kurz zum Thema parallele Vorratshaltung:

Es gibt andere Allergien, bei denen die strikte Meidung des Allergieauslösers für alle Personen im Haushalt nicht so einfach zu tolerieren ist. Ein Beispiel ist die Kuhmilchallergie. Hier müssten im Haushalt tatsächlich alle milchhaltigen Lebensmittel entfernt werden, was eine deutliche Veränderung bedeutet. Hier empfehle ich:

 

  1. die Lebensmittel mit unterschiedlich farbigen Aufklebern zu kennzeichnen (z.B. rot für verboten und grün für erlaubt) UND
  2. die entsprechenden Lebensmittel nicht nebeneinander aufzubewahren (z.B: i, Kühlschrank, Schrank, etc. immer ein Fach für Lebensmittel mit Allergieauslöser und ein Fach für Lebensmittel ohne Allergieauslöser) UND
  3. sehr genau auf die Küchenhygiene zu achten (z.B. Hände waschen bevor die allergenfreien Lebensmittel angefasst werden; zuerst die allergenfreie, dann die allergenhaltige Mahlzeit zubereiten; immer sauberes Besteck verwenden, um die allergenfreie Mahlzeit zuzubereiten; gründliche Reinigung von Kochgeschirr und Besteck).
  4. und bei Fragen die Zusammenarbeit mit einer Ernährungsberaterin vor Ort.

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